Ausgrabungsstätten Kretas – auf den Spuren der Antike

Ausgrabungsstätten Kretas – auf den Spuren der Antike

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Auf den Spuren der Antike – Entdecken Sie die Ausgrabungsstätten der Insel Kreta! Besuchen Sie die Paläste von Knossós und Phaestos oder die historische Stadt Gortyn, wo die Vergangenheit wieder zum Leben erwacht. Die Vielfalt der archäologischen Ausgrabungsstätten Kretas ist einmalig – ob groß oder klein, stark restauriert oder ursprünglich, hier bleibt für interessierte Touristen und Hobby-Historiker kein Wunsch offen. 

Die bronzezeitliche, eigenständige Kultur Kretas wurde nach dem mythischen König Minos, der als gerechter Herrscher galt, benannt. In der Zeit der minoischen Kultur, die zugleich die erste europäische Hochkultur war, entstanden zahlreiche minoische Paläste sowie weitere Gebäude, die im Laufe der letzten Jahre von Archäologen freigelegt wurden. Die Ausgrabungsstätten geben nun Besuchern die Möglichkeit, die Überreste der Antike zu besichtigen. Neben den Highlights unter den Ausgrabungsstätten gibt es auch kleinere Ruinen ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade, die unter ihren Ausflugszielen nicht fehlen dürfen.

Der Palast von Knossós

Der minoische Palast von Knossós ist wohl die bekannteste, kulturhistorische Sehenswürdigkeit der Mittelmeerinsel Kreta. Rund fünf Kilometer südlich von der Hauptstadt Iraklion, auf einer Anhöhe in der Nähe des Flusses Keratos, gelegen, erstreckte sich der weitläufige Palast mit seiner Umgebung über 20.000 qm. Zu seinem Höhepunkt beherbergte der Palast von Knossós Schätzungen zufolge über 100.000 Personen in mehr als 1.300 Zimmern, die auf bis zu fünf Ebenen verteilt waren. König Minos ließ ihn vor etwa etwa 4.000 Jahren errichten. Der Legende nach hielt er in der unübersichtlichen Palastanlage, die einem Labyrinth gleicht, ein Ungeheuer gefangen: den menschenfressenden Minotaurus, halb Mensch, halb Stier.

Im Laufe der Zeit wurde der Palast mehrere Male durch Erdbeben oder andere Ereignisse zerstört und wieder aufgebaut, bis das minoische Reich zuletzt unterging. Der britische Archäologe Arthur Evens stellte ab 1900 umfangreiche Ausgrabungen an, um den Palast zu rekonstruieren. Heute zeigt die Ausgrabungsstätte die groben Umrisse des Palastes, inklusive  Gebäudeteilen, beeindruckenden Vasen und farbige Wandmalereien. Der Ruine kann mit Ausnahme von Feiertagen täglich von 8:00 bis 19:00 Uhr besucht werden.

Der Palast von Phaestos

Der zweitgrößte minoische Palast der Insel Kreta liegt auf einer Anhöhe der Messara-Ebene nahe der Südküste. Die Ausgrabungen um 1900 und die anschließende Restaurierung der Ausgrabungsstätte beschränkten sich im Gegensatz zu dem Palast von Knossós auf das Konservieren der Ruinen in ihrer Ursprünglichkeit und legten keinen Wert auf fantasievolle Farbbemalungen. Wer wirklich an authentischer kretischer Geschichte interessiert ist und original erhaltene Gebäudefragmente sehen möchte, wird den Palast von Pheastos bevorzugen. Der Palast von Knossós begeistert mit seinen bunten Wandmalereien dafür eher Familien mit Kindern. Phaestos gleicht mit seinem zentralen Innenhof, an den als Mauerreste erhaltene Gebäude grenzen, im Aufbau anderen Palästen der minoischen Zeit.

Tipp: Einmal am Palast von Phaestos angekommen, bietet es sich an, die kleinere, benachbarte Ausgrabungsstätte Agia Triáda zu besichtigen. Agia Triáda ist wesentlich jünger und liegt rund zwei Kilometer vom Palast von Phaestos entfernt. Zur Zeit der Antike waren beide mit einem schmalen, gepflasterten Pfad verbunden. In Agia Triáda gab es keinen Palast, sondern eine so genannte Villa, die von einer Siedlung umschlossen wurde. Forscher glauben, dass Phaestos vorrangig zur religiösen Zwecken genutzt wurde, während die Villa die eigentliche Residenz der Herrscher darstellte. Aus der Fülle an archäologischen Funden lässt sich schließen, das Agia Triáda zu seiner Blütezeit sogar bedeutender als Phaestos war.

Die antike Stadt Gortyn

Auf Kreta lassen sich bei Ausflügen nicht nur einzelne minoische Paläste entdecken, sondern auch ganze Städte. Gortyn, eine antike Stadt in Südkreta in der Messara-Ebene, war über Jahrhunderte römischer Herrschaft die Hauptstadt Kretas. Nach der Teilung des römischen Reichs bevölkerten Piraten die Stadt, bis Gortyn  828 n. Chr. von Arabern erobert und seinen Bewohnern verlassen wurde. Die einst so bedeutende Stadt geriet nahezu in Vergessenheit, bis ihre Überreste wieder entdeckt wurden. Heute ist Gortyn vor allem durch die so genannte „Große Inschrift“, dem bislang ältesten aufgefundenen Gesetzeskodex Europas, berühmt. Die in Stein gemeißelte Inschrift enthält alle wichtigen Regeln für das friedliche Zusammenleben in einer Gemeinde, wie zum Beispiel das „Ehe- und Familienrecht“. Sie zeugt von der erstaunlich fortschrittlichen und liberalen Gesetzgebung der Stadt und kann noch heute an ihrem Fundort besichtigt werden.

Von der antiken Stadt sind noch weitere charakteristische Teile einer römischen Siedlung erhalten: die Ruinen eines griechischen Theaters, Überreste der Akropolis, der Apollon Tempel und eine Höhle, die „Labyrinth“ genannt wird. Auch eines der ältesten und wichtigsten Denkmäler des Christentums, die Titusbasilika, ist Teil der bedeutenden Ausgrabungsstätte. Unsere Empfehlung: der Ausflug Südkreta kombiniert den informativen Besuch der antiken Stätten Phaestos und Gortyn mit entspannten Stunden am Traumstrand von Mátala.

Das Archäologische Museum in Iraklion

Das archäologische Museum von Iraklion besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen griechischer Artefakte Europas. Auf zwei Etagen in insgesamt 24 Ausstellungsräumen beherbergt das Museum Ausstellungsstücke aus allen Perioden der kretischen Geschichte, beginnend in der Jungsteinzeit. Die einzigartige minoische Sammlung besteht aus Kunstwerken und Gebrauchsgegenständen, die von den zahlreichen Ausgrabungsstätten in Knossós, Phaistos und Agia Triáda zusammengetragen wurden.  Highlights sind der berühmte Diskos von Phaistos, dessen mysteriöse Eingravierungen noch immer nicht entziffert werden konnten und es vielleicht auch nie werden, sowie das Stierkopf-Ryton und die Bienen von Malia. Wer sich ein umfassendes Bild von den Fundstücken und ihren Fundorten machen möchte und nach historischem Fachwissen verlangt, sollte begleitete Archäologieführungen durch die Paläste buchen.